Sind erfolgreiche Liebesgeschichten tatsächlich die Ausnahme?

by Tom on März 1, 2011

Dieser Artikel ist der erste Post unserer Gast-Autorin Andrea, die in unregelmäßigen Abständen immer wieder über die Liebe und das Leben bloggen wird.

Viel Spaß,
Eure Kontaktanzeigen.de Redaktion!

Sind erfolgreiche Liebesgeschichten tatsächlich die Ausnahme?
Und wenn wir dann die Regel bedeuten, heißt das gleichzeitig, nie die Ausnahme zu werden?

Wenn wir uns bei einer Partnerschaftsvermittlung anmelden, welche Beweggründe haben wir dann?

Ist es nicht viel, viel einfacher, auszugehen, sich finden zu lassen oder selber die Augen offen zu halten?

Auf Eindrücke zu reagieren? Im Supermarkt in die Einkaufskörbe von Mann oder Frau zu blicken und sie dann gegebenenfalls nett anzusprechen?

Wieso erleben Singlebörsen einen derartigen Boom, und warum ist offiziell weder Mann noch Frau bereit zuzugeben, in ihnen vertreten zu sein?

Und ist Anonymität eher der Garant für Flirt und Abwechslung, oder aber ist es leichter, durch unsere Anonymität wirklich Preis zu geben, was wir in Wahrheit suchen?

Nach all den bitteren Erfahrungen, die wir im Laufe des Lebens mit oder ohne Partner gesammelt haben, könnte da das World Wide Web tatsächlich die Lösung sein?

Die Einsamkeit, das Alleinsein, das Scheitern, jene negativen Erfahrungen, können sie sich tatsächlich umkehren durch Chatten, das Analysieren der jeweiligen Interessen?

Und die Erfolgstorys, die wir in diesen Foren nachlesen können, sind sie die Ausnahme oder bestätigen sie die Regel?

Nach diesem Nachmittag kam ich nicht umhin, mir all jene Fragen zu stellen.

Die Mutter meiner Freundin besuchte mich in meinem neuen Singleheim. Vor vielen Jahren waren wir uns zufällig näher gekommen, damals im Krankenhaus, als sie eine OP und ich die Geburt meiner Tochter durchgestanden hatte.

Von meiner Freundin hatte ich bereits erfahren, dass Ellen, die so viele Jahre alleine war, jemand Nettes gefunden hatte. Die Frage nach dem wie und unter welchen Umständen hatten meine Freundin und ich nie erörtert. Es war nicht wichtig, sondern lediglich die Tatsache, dass eine 57-Jährige seitdem nicht mehr alle Sorgen mit ihrer Tochter teilte.  Und meine höfliche Nachfrage an jenem Nachmittag führte letztendlich zu Ellens überraschendem Geständnis:

Die Anmeldung bei einer Partnerschaftsagentur im Internet hatte dafür gesorgt, dass sie sich von der Singlewelt abmelden konnte.

Ungläubig fragte ich nach: „Du hast Klaus in einem Singlevermittlungsbetrieb kennen gelernt? Du hast Dich in so was angemeldet? Warum?“ Der Faktor Zeit schien einen nicht unwesentlichen Grund darzustellen.

Anschaulich erklärte sie mir, dass sie aufgrund ihres großen Hauses, ihrer Berufstätigkeit selten die Gelegenheit hatte, auszugehen. Oft war sie zu müde, dann wiederum kam irgend etwas dazwischen und manchmal war sie einfach nur froh, auf der Couch zu sitzen und sich nach einem anstrengenden Tag nicht noch mal aufraffen zu müssen. Und in einer Sektlaune hatte eine Freundin sie kurzerhand und gegen ihren Willen bei einer  Partnerschaftsvermittlungen angemeldet.
Natürlich wollte sie ihre Tochter am nächsten Tag fragen, wie man eine Löschung veranlassen könnte. Doch beabsichtigte Entschlüsse unterliegen manchmal menschlichen Neigungen.

In ihrem Fall der Neugierde.

Und im Postfach nachschauen konnte man doch? So rein interessehalber? Das war doch nicht verwerflich! Vielleicht enthielt sie ja sogar Post? Also bevor Ina kam und alles wieder bereinigte, musste das erst einmal abgeklärt werden, schließlich wollte sie ja auch nicht unhöflich sein.

Ihre Tochter kam nie, um ihren Account zu löschen und Ellen hatte ihr nie etwas davon erzählt, denn jene erhaltene Nachricht in ihrem einen Tag alten Profil, führte zu einer Entwicklung.  Auf einen zunächst zögerlichen, später intensiveren Schriftverkehr folgte ein Fotoaustausch, worauf sich ein Treffen ergab.

Ihre gemeinsamen Interessen und die ehrliche Aussprache in der virtuellen Welt, konnten auch der Realität standhalten.

Und so entwickelten zwei Menschen, die der Regel entsprachen, unabhängig von Alter und Vergangenheit, jene Chemie füreinander, die wir im Allgemeinen als Verlieben bezeichnen.

Vielleicht waren sie die Ausnahme?

Abzuheften unter jenen Erfolgstorys, die wir nachlesen können, egal in welcher Partnerschaftsvermittlung wir uns auch bewegen.

Vielleicht sind und bleiben wir gleichzeitig auch die Regel, die nie auf derartige Zufälle treffen wird.

Doch Substanzen, Stoffe können nur dann reagieren, wenn wir für Umwandlungen bereit sind.

Und wer weiß, wohin uns jedwedige Experimente führen?

Ein Glas Weißwein später kam ich nicht umhin für mich festzustellen:

Ist es nicht grundsätzlich wert, sich auf fremde Menschen einzulassen, egal, wo wir sie treffen?

Sollten wir nicht geltende Gesetzmäßigkeiten hin und wieder umgehen, Experimenten, Reaktionen, Erlebnissen aufgeschlossen gegenüber treten, unabhängig davon, ob wir Ausnahme werden oder Regel bleiben?

Vielleicht sind ja gerade jene Menschen, die wir an den unmöglichsten Orten zu utopischen Zeiten in den kuriosesten Lebenslagen kennen lernen, für eine Überraschung gut?

{ 1 comment }

Tanja März 11, 2011 um 14:08

Wirklich eine schöne Geschichte – mir ist fast das gleiche passiert vor einiger Zeit – und ich bin immer noch sehr glücklich mit meiner Entscheidung :-)